Ein 5 Sterne S Hotel in Tirol – Teil I: Von S wie Sieberer bis W wie Weinkeller

Man könnte mir ja vieles vorwerfen. Dass ich ein wenig traumwandlerisch durch die Welt gehe zum Beispiel und oft Dinge nicht wahrnehme, die anderen wichtig sind. Oder dass ich keine Ahnung davon habe, wie die im Moment besten Fußballspieler heißen. Außerdem kann ich keine zwei österreichischen Skifahrer nennen, die im Moment der Stolz der Nation sind. Vielleicht hat das aber auch Vorteile. Zumindest hoffe ich es stark. Klar ist jedenfalls: Ich habe andere Prioritäten wie die breite Masse. Das soll jetzt definitiv keine Wertung sein, sondern vielmehr der Versuch euch in meine eigene kleine Welt einzuladen und die Welt mal ein wenig mit meinen Augen zu sehen.



Als Ort für dieses kleine Experiment nehme ich ganz einfach mal das Hotel, das ich gestern besucht habe: Das „Trofana Royal“. Kein schlechter Schuppen, um es mal ein wenig salopp auszudrücken. 5 Sterne und das auch noch mit Superior. Das findet sich in Tirol nicht allzu häufig. Ich denke ich liege richtig wenn ich da von 3 Hotels in Tirol insgesamt spreche.

Es war also klar: Das hier war die absolute Spitzenklasse in Sachen Hotellerie. Mein Interesse hier vor Ort war es vor allem mit Martin Sieberer zu sprechen. Ein Kochkünstler und Künstlerkoch, den ich vor einiger Zeit persönlich beim „Kulinarischen Jakobsweg“ kennen lernen durfte und dessen kulinarische Kreationen mir seither nicht mehr aus dem Kopf gehen wollten. Sie lagen mir quasi immer noch auf der Zunge, ich erinnerte mich an die Geschmäcker, quasi wie Flash-Backs.

Hier kocht Martin Sieberer höchstpersönlich: Die "Paznauner Stube" im Trofana Royal in Ischgl.
Hier kocht Martin Sieberer höchstpersönlich: Die „Paznauner Stube“ im Trofana Royal in Ischgl.

Martin Sieberer und die Paznauner Stube in Ischgl

In dem Interview erzählt er mir dann auch gleich, dass ein Gast mal zu ihm gesagt hätte, dass ein Opernbesuch nicht hätte schöner sein können als das Essen in der Paznauner Stube. Dazu muss natürlich erwähnt werden, dass dieser Gast die Oper mochte. Was er aber wohl meinte: Das Essen von Sieberer legt viel Wert auf Inszenierung, aber auf keinen Fall auf Show und oberflächliche Effekte. Sein Essen ist ein Hochgenuss in dem Arrangement, Komposition und Inszenierung eine perfekte Symbiose eingehen. Außerdem dauerte natürlich ein richtiges Essen hier gleich Mal ein paar Stunden, was durchaus vergleichbar mit einem Opernbesuch ist.

Dabei ist natürlich vor allem interessant, dass sich Martin Sieberer damit rühmt, regionale Küche zu kochen.  Er schaut sich die kulinarischen Trends zwar an, seine Küche setzt aber mehr auf Kontinuität. Seine Küche ist in der Tiroler Küche verwurzelt und läuft nicht jedem Trend hinterher. Ich interpretieren es so: Hier wird mit allem Geschick und allen Kenntnissen, die man aus den Kochkünsten der ganzen Welt gewinnen kann, die heimische Küche kreativ interpretiert und konstant vorangetrieben. Die Küche hier ist kein Weltküche-Einheitsbrei, sondern es ist klar, wo man ist. In Ischgl. In Tirol. Im vielleicht besten Restaurant in Tirol.

Der Weinkeller im Trofana Royal in Ischgl: Was da wohl alles für Schätze lagern?
Der Weinkeller im Trofana Royal in Ischgl: Was da wohl alles für Schätze lagern?

Vielleicht lässt sich schon allein bei diesem Erkenntnisinteresse mein ganz eigener Blick erkennen. Ich rede drinnen im „Trofana Royal“ gemütlich mit Martin Sieberer über die Relevanz von Inszenierung und des Gesamterlebnisses beim Essen. Draußen steppt währenddessen der Bär, die Champagnerhütte ist nicht fern und die Trofana Alm quasi vor der Haustüre. Ich bekomme davon überhaupt nichts mit. Die Skifahrer, die dank der Lage des Hotels an mir vorbeiflitzen, nehme ich zwar wahr, doch sie interessieren mich nicht wirklich. Statt mich raus ins Getümmel zu stürzen hätte ich noch stundenlang mit Martin Sieberer weiterreden können. Doch keine Chance, er musste zum nächsten Termin.

Doch ich hatte ohnehin noch eine anderes Erkenntnisinteresse: Ich wollte den vielgepriesenen Weinkeller sehen. Kurzerhand schritt ich zur Rezeption und fragte, ob ich diesen sehen könne. Die Blicke hätte ich einfach mal als erstaunt interpretiert. Ich nehme an, dass solche Fragen nicht allzu oft kommen. Eher wird wohl danach gefragt werden, ob der neue Wellness-Bereich abgelichtet werden darf. Der ja nebenbei erwähnt auch ganz toll geworden ist. Aber mich interessierte der Weinkeller schlicht und einfach mehr.

Die sehr freundliche und auch hübsche Rezeptionistin verriet mir dann, dass auch sie noch nie im Weinkeller gewesen sei. Das bestätigte mich in meiner Vermutung, dass ich hier zu einer absoluten Kostbarkeit vorstoßen würde. Zu einem Ort, den noch nicht alle gesehen habe. Der Weinkeller war, no na net, zugesperrt, was angesichts der Raritäten und Preziosen die hier lagerten auch absolut kein Wunder war.

Kein Zweifel: Im war im Himmel angekommen. Was hätte ich dafür getan von einer der besonders kostbaren Flaschen ein Schlückchen zu trinken. Der Genuss von Wein war nämlich auch für mich genau so, wie es mein Schreiberkollege Felix K. kürzlich beschrieben hatte. Der absolute Genuss. Etwas unglaublich Sinnliches. Über Wein zu schreiben war letztlich zwar möglich. Aber eigentlich war der Genuss das Eigentliche. Worte sind nur Konstruktionen um zu vermitteln, was ein Genießer beim Genuss eines guten Weines wirklich empfindet.

5-Sterne-Superior. So etwas verpflichtet.
5-Sterne-Superior. So etwas verpflichtet.

Beflügelt und allein schon vom Anblick ein wenig berauscht fiel mir ein Vergleich ein: Das „Trofana Royal“ ist wie guter Wein. Traditionsreich, kontinuierlich großartig und mit dem Alter immer besser. Mögen andere aktuellen Trends hinterher laufen, hier wird vielmehr auf konstant hohes Niveau gesetzt. Vielleicht ist es das, was man von den Weinen lernen kann: Auch mal gelassen abwarten und reifen und nicht immer jedem Trend hinterher hecheln. Genau diese Sprache spricht nämlich auch die Küche von Martin Sieberer.

Kurzum: Ich kann euch einen Besuch im „Trofana Royal“ nur empfehlen. Ihr müsst dort essen. Ihr müsst die Weine dort genießen. Natürlich könnt ihr dort auch Skifahren und den nagelneuen Wellnessbereich benützen. Ihr müsst aber nicht und könnt euch auch vollkommen auf Entspannung und Kulinarik fokussieren, ganz so wie ich es wohl demnächst tun werde…

Ein 5 Sterne S Hotel in Tirol – Teil I: Von S wie Sieberer bis W wie Weinkeller
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Von in Trofana Royal