Weihnachten in Ischgl: Ischgl kann auch besinnlich!

Probiert es mal aus. Was fällt euch ein, wenn ihr an Ischgl denkt? Im Moment vielleicht der etwas weinerliche Gesang von James Blunt? Die eine oder andere Party, die zu lange gegangen ist und die ihr am nächsten Tag bitter bereut habt? Vielleicht auch noch spitzenmäßige Skipisten? Ich persönliche ergänze noch: Einige Spitzen-Restaurants und ganz viel Kulinarik. Aber Ischgl kann auch anders. Muss es ja. Zumindest zu Weihnachten.

Ischgl kann auch besinnlich! Schwer zu glauben, aber wahr. Im Advent ist es in Ischgl ja schließlich nicht nur Winter, es hat nicht nur die Wintersaison begonnen, sondern es ist auch eine Zeit der Vorfreude. Irgendwie sind wir in Ischgl ja doch in Tirol, dem nachgesagt wird, das „heilige Land“ zu sein. Gehen wir also davon aus, dass Weihnachten eine große Rolle spielt. Und damit Besinnlichkeit einhergeht.

Dazu ist vor allem zu fragen: Was ist das eigentlich, diese Besinnlichkeit? Womit haben wir es da überhaupt zu tun? Ich habe da eine ganz eigene Definition: Besinnlichkeit ist, wenn wir uns besinnen. Jetzt werdet ihr sagen: No na net. Das liegt ja schon im Wort verborgen. Dazu müsste aber wiederum definieret werden, WORAUF wir uns überhaupt besinnen.

Ich würde eindeutig sagen: Im besten Fall auf die Stille, die bitte schön nicht zu verwechseln ist mit der Ruhe. Ruhe ist oft die Ruhe vor dem Sturm. Die Stille hingegen ist eine Haltung und eine Lebenseinstellung. Wer still wird, der hört besser. Der kann genauer hinhören. Der nimmt die Probleme der Menschen und die Welt um einen ganz generell besser und genauer wahr. Der hört weniger auf sein „Ego“, sondern tritt in einen echten Dialog mit seinen Mitmenschen. Weihnachten hin, Weihnachten her: So schlecht kann das nicht sein, wenn sich so eine Situation tatsächlich einstellt.

Weihnachten und mehr in Ischgl: Weniger ist mehr

Gehen wir also davon aus, dass ich im Winter nach Ischgl fahre. Mit der Absicht der Stadt zu entfliehen, wo man vor lauter Straßenlärm und dröhnenden Weihnachtsliedern zwar viel hört, aber der Stille tendenziell eher weniger Chance gegeben wird. Ich suche die Ruhe in Ischgl. Eigentlich ein Widerspruch in sich. Aber halt eben möglich, wie ich euch hier kurz sagen möchte. Denn mit der „Ischgler Bergweihnacht“ ist denen in Ischgl tatsächlich eine Veranstaltung gelungen, die mir gefällt.

Ganz einfach weil sie funktioniert und zugleich in der von mir beschriebenen Funktion steht: Ruhig werden, sich besinnen. Das funktioniert deshalb vielleicht auch so gut, weil Ischgl eben nicht das verschlafene Bergdörfchen ist, sondern im Winter eine pulsierende Wintermetropole mit dem zweiten Vornamen „Party“ ist. Wenn dann am 26.12. ab 17:00 plötzlich alles ruhig wird, der Chor der Volksschule Ischgl traditionelle und modernere Weihnachtslieder anstimmt, dann, ja dann geht mir tatsächlich das Herz auf. Das gebe ich zu. Dazu stehe ich.

Vielleicht auch deshalb, weil da eine Verschiebung der Ebenen im Spiel ist? Vielleicht auch deshalb, weil es klar ist, dass man in wenigen Augenblicken vom sogenannten „Schein“ zum „Sein“ vordringen kann? Ich weiß schon, das ist eine etwas theologische und metaphysische Konstruktion: Der Schein als das Partyleben, als das Gemachte, als das Künstliche, das zwar schön und unterhaltsam ist, aber in Wahrheit nicht glücklich macht. Glücklicher macht es hingegen, auf die Stille zu hören. Weniger auf sich und seine Wünsche als darauf, was wirklich zählt. Eben einfach sein. Loslassen. Und damit ist eine zen-buddhistische Dimension hier auch noch im Spiel. Zumindest für mich.

Natürlich wohne ich in Ischgl dann doch nicht in der nächstgelegenen Holzhütte und ernähre mich, wie es sich für einen Asketen eigentlich gehören würde, nur von Brot und Wasser. Natürlich mag ich auch noch den Luxus, auch zu Weihnachten. Natürlich komme ich beim Essen in der „Paznaunerstube“ von Martin Sieberer auch zur Ruhe. Ob das auch Schein ist und ob ich das alles eigentlich gar nicht brauchen würde? Mag sein. Aber so weit bin ich noch nicht. Noch nicht einmal zu Weihnachten.

Weihnachten in Ischgl: Ischgl kann auch besinnlich!
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Von in Trofana Royal