Haas hat einige Jahre auf dem Kreuzfahrtschiff gearbeitet

Investitionen in Tirol: Auch ohne Schwarzgeld

Investitionen in Tirol: Auch ohne Schwarzgeld
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„… die Christbäume und einfach alles andere was sie nicht brauchten, haben die Stewards ins Meer geworfen“.

Aber was hat diese Erinnerung von Peter Haas an seine Zeit auf dem Kreuzfahrtschiff mit Tirol im Frühjahr 2015 zu tun? Das Gespräch mit ihm kreist um einige zentrale Begriffe: Um Nachhaltigkeit und Neid, Investitionsbedarf und Regionalität. Und um die Dummheit.

 

Die Nachhaltigkeit

„Auf dem Kreuzfahrtschiff habe ich einige Jahre gearbeitet“, erzählt Peter Haas.

Nur bewegtes Geld ist gutes Geld

Nur bewegtes Geld ist gutes Geld

„Freilich ist es toll, die scheinbare Enge im Stubaital gegen die Weite des Meeres zu tauschen.“ Aber wenn am 26. Dezember dutzende Christbäume mitsamt Schmuck und Beleuchtung einfach über Bord geworfen werden, dann fehlt doch etwas: Weil die Christbäume ja meistens von kleinen Kindern mit großen Augen bestaunt werden, weil sie etwas ganz Besonderes sind.

„Und dann wird das Besondere zur Nebensächlichkeit, zum vorübergehenmedden Aufputz und zum Tand. Zu etwas, das keinen Bestand hat. Aber wir leben von dem, das Bestand hat, von dem, das um uns und mit uns lebt.“ So ist er nach ein paar Jahren wieder zurückgekommen, mit viel Erfahrung und drei Fremdsprachen im Gepäck.

 

Der Neid

„Mein Vater hat das Hotel in Neustift aufgebaut. Als ich es übernommen habe, war mir klar, dass das nicht einfach sein würde: Die Struktur der Gäste verändert sich, die Ansprüche werden andere und ohne die entschiedene Bereitschaft für Neues geht es bergab. Das ist ja in anderen Branchen auch nicht anders“.

Die Auslastung seines Hotels passte, der Betrieb lief gut. Und trotzdem konnte nicht genug erwirtschaftet werden, um den Betrieb in der Form aufrechtzuerhalten und zugleich die erforderlichen Aus- und Umbauten umzusetzen. „Und der Neid war immer wieder spürbar. Er war, und da bin ich mir sicher, bei manchen, mit denen wir Schwierigkeiten hatten, die Triebfeder ihres Tuns. Widerlich. In anderen Teilen der Welt ist das ganz anderes: In Amerika, egal ob in den Vereinigten Staaten oder in Südamerika werden, die, die etwas geschaffen haben, nicht schief angeschaut“.

Peter Haas meint, dass das in Europa und ganz besonders in Österreich ganz anders ist: „Wer etwas geschaffen hat, der muss ja fast eine krumme Tour gedreht haben. Oder genug Freunderln an den richtigen Stellen haben. Dass es sich um harte Arbeit handelt, sehen die Wenigsten“.

 

„Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten“ (Robert Lembke)

Der Investitionsbedarf

„Wir brauchen Geld! Und zwar nicht in unseren Taschen, sondern in den Händen von Leuten, die in Tirol investieren, die das Land zukunftssicher machen und dadurch Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen. Es ist nicht einzusehen, dass Investoren, wenn sie nicht von vornherein durch kurzsichtige regionale Beschränkungen abgeschreckt werden, schief angeschaut werden – nach dem Motto: ‚Der hat Geld, das muss ja Schwarzgeld sein!‘ Und eines muss uns auch klar sein: Es ist in Zeiten globalen Wirtschaftens egal, ob das investierte Kapital aus Russland kommt oder aus Österreich.“

Besser als sein Ruf: Der Rubel

Besser als sein Ruf: Der Rubel

„Regelungen und Restriktionen, die nicht dem Schutz des Bestehenden dienen, sondern nur dazu geschaffen wurden, um Weiterentwicklungen zu verhindern, gehören abgeschafft! Wenn beispielsweise das Schigebiet in Obergurgl investieren muss, um auch künftig Arbeitsplätze zu schaffen und Wirtschaftskraft im Tal zu halten, dann sollten die Rahmenbedingungen dafür zumindest vom Kirchturmdenken und längst überholten Restriktionen befreit werden. Und damit sind wir beim nächsten Punkt“, meint Peter Haas.

 

 

Die Regionalität

Was und denn der Ausbau der touristischen Infrastruktur bringe, wenn der Großteil des erwirtschafteten Geldes ohnehin in Regionen und Projekte abwandert, die mit den betroffenen Talschaften nichts mehr zu tun haben. Zwei Beispiele:  Die Innsbrucker Rathauspassage liegt nicht im Pitztal. Und es gibt in Innsbruck etliche Häuser, die mit Geld gekauft wurden, das im Stubaital erwirtschaftet wurde.

Altmodisch, aber mit Zukunftsgarantie: Regionales Wirtschaften (Foto: Hampel Auctions /wikipedia.de/ Bild Josef Wagner "Die Abrechnung").

Altmodisch, aber mit Zukunftsgarantie: Regionales Wirtschaften (Foto: Hampel Auctions /wikipedia.de/ Gemälde Josef Wagner Die Abrechnung).

 

Laut Haas: „Es ist klar, dass das viele Menschen nicht verstehen. Und ich verstehe es ehrlich gesagt auch nicht. Kapital muss zum Großteil in der Region investiert werden, in der es erwirtschaftet wurde. Das ist ein traditionelles, beinahe altmodisches Unternehmerbild, das ich hier skizziere, aber es hat Hand und Fuß: Es setzt diejenigen Kreisläufe in Gang, die beispielsweise eine Talschaft am Leben erhalten, die vor Ort Arbeitsplätze schaffen und dafür sorgen, dass der Metzger, der Tischler und der Kindergarten eine Zukunft haben. Für immer mehr Menschen wird Wirtschaft zum anonymen Geldscheffeln, ohne Regeln und ohne, dass sie etwas davon haben. Dem müssen wir entgegenwirken.“

 

Die Dummheit

„Warum ist es so schwer, gute, ausgebildete Mitarbeiter zu finden? Nicht nur in unsrer Tourismusbranche, auch in vielen anderen Bereichen: Stichwort Facharbeitermangel.“

Nicht nur in der Tourismusbranche gibt es einen Facharbeitermangel...

Nicht nur in der Tourismusbranche gibt es einen Facharbeitermangel…

Haas: „Meine große Sorge ist, dass die Menschen immer mehr dazu erzogen werden, vorsichtig zu sein, sich verwalten zu lassen und brav zu funktionieren. Das liegt aber nicht in unserer Natur! Wir sollen unsere Welt entdecken, andere kennenlernen und Zusammenhänge zu finden.“

Der Hotelier weist darauf hin: „Schauen Sie sich an, wie Kinder miteinander spielen, wenn sie ohne Erwachsene sind. Die Sattheit, alles zu wissen und alles zu haben  macht uns schwach. Wenn wir das nicht mehr in den Vordergrund rücken, dann steigt die Gefahr, dass wir in der Wirtschaft noch kurzfristiger und situativer denken und handeln. Weil die weggeworfenen Christbäume, die tun mir auch heute noch ein bisschen weh.“

 

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Zur Person

Peter Haas ist Hotelier in Neustift. In seiner Jugend sammelte er internationale Erfahrungen in Hotels und in unterschiedlichen Branchen, unter anderem auf einem Kreuzfahrtschiff. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.