Gala-Dinner 2.0: Dolce Vita nach Südtiroler Art

Gala-Dinner 2.0: Dolce Vita nach Südtiroler Art
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Schon erstaunlich wie abgebrüht ich geworden bin. Während mich früher noch ein gut gemachter Imbiss begeistert hat, lockt mich mittlerweile nicht mal mehr ein ganz normales Gala-Dinner hinter dem sprichwörtlichen Ofen hervor. Es braucht für mich mehr. Das gewisse Etwas. Etwas, das ich nicht schon tausendmal erlebt habe. Ich weiß schon, dass das jetzt ein wenig überheblich klingt und ich mir da etwas zu sehr in der Rolle des anspruchsvollen Genießers gefalle. Wieder einmal wurde es aber kürzlich in Südtirol bei den „Dolce Vita Hotels“ deutlich: Warum sich mit weniger zufrieden geben, wenn man auch mehr haben kann?

Dabei begann alles ganz unspektakulär. Mit einem Anruf. Ob ich Zeit hätte. Er habe da so etwas gelesen. Ob wir uns das nicht anschauen sollten? Ein Gala-Dinner in Südtirol, genauer noch bei den „Dolce Vita Hotels“. Ich muss gestehen, dass sich meine Begeisterung sehr stark in Grenzen gehalten hat. Zwei Stunden mit dem Auto hinfahren um dann 4 Stunden in einem Hotel zu sitzen und zu essen? Das Essen war dann vielleicht zwar gut, aber die Weinbegleitung möglicherweise ebenso konventionell und langweilig wie die jeweiligen Sitznachbarn.

Ich weiß nicht, ob er mein leichtes Gähnen am Telefon hörte. Er legte jedenfalls nach: Das sei kein gewöhnliches Gala-Dinner. Sondern etwas ganz besonders. Quasi Gala-Dinner 2.0. Eine richtige Gourmet-Tour, die durch 4 Hotels und verschiedene Küchen führte. Ich ließ mich also überreden und am nächsten Tag saßen wir auch schon im Auto in Richtung Südtirol. Knapp zwei Stunden später waren wir auch schon in Naturns. Dort wollten wir nicht nur gut essen, sondern auch gleich übernachten. Im Preidlhof. Wenn schon, denn schon!

Die Aussicht vom Zimmer aus war spektakulär. Die Mini-Bar gut gefüllt. Das Zimmer mit geräumig und einladend unzureichend beschrieben. Beste Voraussetzungen jedenfalls, sich mit einem guten Bier aus der Mini-Bar auf den anstehenden Abend einzustimmen. Ich glaube ich habe noch selten ein Bier vor schönerer Kulisse genossen! Aber seht am besten selbst!

Unser Ausblick vom Zimmer: Ja, so lässt es sich leben!

Unser Ausblick vom Zimmer: Ja, so lässt es sich leben!

All die Süße des Lebens: Dolce Vita, ich komme!

Mit dem Shuttle-Taxi ging es dann nach Latsch, zur ersten Station unsere Gourmet-Tour. Shuttle, das heißt schon mal, dass Zurückhaltung in Sachen Weinbegleitung nicht notwendig war. Sehr schön. Außerdem hieß das auch, die wunderschöne Landschaft ringsum genießen zu können und sich schon mal auf den Gala-Abend vorzufreuen.

Nach wenigen Minuten waren wir angekommen. Im Jagdhof. Dort gab es einen Aperitif und danach Fingerfood. Wobei letzterer Begriff doch eine starke Untertreibung darstellte. Reichhaltig, differenziert und immer auch einen Hauch mediterran schmeckte alles ganz vorzüglich. Nur eine Sorge hatte ich: Wenn das hier schon so herrlich schmeckte, wie sollte ich danach noch drei weitere Hotels und Restaurants „überleben“ ohne dass ich zu schnell satt war? Das Geheimnis lag wie immer im Genuss: Langsam essen, genug Wein trinken. Auch ein bisschen Wasser dazwischen war kein Fehler.

Im Jagdhof: Sagen Sie niemals Fingerfood dazu!

Im Jagdhof: Sagen Sie niemals Fingerfood dazu!

Nach diesem mehr als gelungenen Auftakt mussten wir nach einer Stunde auch schon weiter zur nächsten Station: Zum Feldhof. Die Versuchung im Jagdhof sitzen zu bleiben war zwar groß, die freudige Erwartung auf die nächsten kulinarischen Köstlichkeiten aber dann doch größer. Gesagt, getan, gefahren und schon saßen wir im Feldhof. Und zwar nicht irgendwo in einem Speisesaal, sondern im Freien!

Das ganze vor einem Teich mit Koi, die aber natürlich nicht auf unseren Teller landeten, sondern eher fürs Auge als für den Magen gedacht waren. Langsam wurde es auch kühler. Alles deutete auf einen lauen Sommerabend hin. Als sich zu dieser ohnehin schon gediegenen Atmosphäre später auch noch Suppe und Wachtel dazu gesellten, wusste ich endlich was mit „Dolce Vita“ gemeint war. Da war sie also, die Süße des Lebens. Bei der Hitze im Büro vergisst man es nämlich oft: Das Leben ist schön! An einem Abend wie diesem war das wieder ganz klar. Das Leben war wunderbar. Und das Essen herrlich!

Ein frühes Highlight: Die Wachtel im Feldhof!

Ein frühes Highlight: Die Wachtel im Feldhof!

Normalerweise ließ ich mich erst nach der Hauptspeise zu solchen Gedanken hinreißen. Hier kreisten sie aber bereits zu diesem Zeitpunkt durch meinen  Kopf. Dabei stand die Hauptspeise doch erst bevor!

Das war auch schon das Stichwort: Auf zum Preidlhof! Es war bereits dämmrig geworden, bald würde es dunkel sein. Ein perfekter Zeitpunkt um im Kerzenschein die Hauptspeise zu genießen. Ich kann nur so viel sagen: Genau so fühlt sich Urlaub an! Und genau so muss der Urlaub in Südtirol kulinarisch untermalt sein.

Das "Dolce Vita" und ich. Seit diesem Gourmet-Abend auf du und du!

Das „Dolce Vita“ und ich. Seit diesem Gourmet-Abend auf du und du!

Die Hauptspeise, die Ochensenwange, war ein Gedicht. Und zwar eines, das wirklich alle Kunstgriffe und Raffinessen beinhaltet, die man sich nur erwarten konnte. Dabei blieb das Ganze aber doch bodenständig und nachvollziehbar. Kurzum: Küche auf höchstem Niveau, aber ganz und gar nicht überkandidelt. Auch die Region war geschmacklich omnipräsent. Wunderbar! Die Weinbegleitung gefiel sich darin mit der Kulinarik zu harmonieren und setzte ab und zu auch gelungen Kontraste.

Ein Gedicht: Die Nachspeise im Lindenhof!

Ein Gedicht: Die Nachspeise im Lindenhof!

Im Lindenhof wurden uns anschließend, auf einem Tisch im Freien und im Grünen, die beiden Nachspeisen kredenzt. Ein Gedanke ging mir bei dieser Kulisse durch den Kopf: Fast zu perfekt um wahr zu sein! Ein wenig wie im Film. Und halt doch, Gott sei Dank, real. Die Nachspeise dann: Ein absoluter Traum. Und das sage ich als jemand, der bei Nachspeisen besonders heikel und anspruchsvoll ist. Die Nachspeise ist für mich in gewisser Weise der Beweis, dass es eine Küche wirklich versteht, die Menüfolge mit einem Paukenschlag zu beenden. Hier war es nicht nur ein Paukenschlag, sondern die Schläge eines ganzen Paukenorchesters.

Mit dem süßen Geschmack von den anschließenden hausgemachten Pralinen gingen wir rundherum glücklich in unser Hotel zurück, das wenige Gehminuten vom Lindenhof entfernt war. „Zuhause“ im Hotel fiel ich ins Bett. Ich fiel in einen tiefen, erholsamen Schlaf und wurde am nächsten Morgen dezent mit Sonnenschein geweckt. Ja, so geht das. Das ist Dolce Vita! Klar war, dass ich wiederkommen würde. Denn in Südtirol gab es kulinarisch sogar noch einiges mehr zu entdecken! Auch in Sachen Wein aus Südtirol musste ich mich ganz dringend weiterbilden. Auch der abschließende Brandy hat so gut geschmeckt, dass ich bald wieder nach Südtirol kommen muss…