Spargelessen im Adlers in Innsbruck: Schöne, neue Genusswelt!

Spargelessen im Adlers in Innsbruck: Schöne, neue Genusswelt!
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Schlägt man Einladungen eigentlich aus? Vor allem, wenn es ums Essen geht? Ich bin normalerweise niemand, der zu übermäßiger Eindeutigkeit neigt. In diesem Fall kam aber kein „Jein“, sondern ein „Ja-Natürlich“ über meine Lippen. Das „Adlers“ lud zum Spargelessen in angenehmer Atmosphäre. Nichts wie hin. Wenn sich schon mal Situation im Leben ergeben, auf die nur auf ganz bestimmte Weise reagiert werden kann, dann muss richtig regiert werden. Kairos statt Wu-Wei!

Vielleicht möchtet ihr jetzt erst einmal wissen, was es mit diesem Begriffs-Klimbim auf sich hat. Von wegen „Wu-Wei“ und „Kairos“. Und natürlich fragt ihr euch zu Recht, was das bitte schön alles mit Spargelessen zu tun haben soll! Ich antworte da mal auf ganz unkonkrete Weise: Alles hängt mit allem zusammen. Und diese Begriffe sind mir ohnehin sehr wichtig, wenn es darum geht, im Leben Haltung zu zeigen. Kurz gefasst, damit wir dann auch gleich mal weg kommen von dieser theoretischen Ebene: „Wu-Wei“ ist ein Begriff aus dem Taoismus und wird oftmals mit „Nichthandeln“ übersetzt.

Eigentlich ist es aber nicht Nichthandeln, sondern eben geschicktes Handeln zum richtigen Zeitpunkt. Sprich: einfach mal lässig abwarten und ausdauernd sein. Gut beobachten und dann erst handeln, wenn es nicht mehr viel braucht, weil sich die Situation eh schon zu den eigenen Gunsten entfaltet und verändert hat. Es ist ein Handeln im Einklang mit den Prozessen dieser Welt, die ein gewaltsames Subjekt in dieser Form gar nicht kennt. Anders bei „Kairos“, ein Begriff der aus dem griechischen stammt und der auch damit zu tun hat, der Welt willentlichen seinen Stempel aufzudrücken. Jetzt handeln, jetzt eingreifen, koste es was es wolle!

Außergewöhnliche Abende erfordern auch außergewöhnliche Weine!

Außergewöhnliche Abende erfordern auch außergewöhnliche Weine!

Spargelessen im Adlers in Innsbruck: Ganz schon „casual“ oder was?

Ich weiß eigentlich noch immer noch ganz genau, wie genau meine Einladung zum Spargelessen zustande kam. War es „Kairos“ und wollte ich unbedingt zum Spargelessen eingeladen werden? Oder war es doch eher geschicktes abwarten bis dahin, dass ich ganz einfach zum Spargelessen eingeladen werden musste und es unvermeidlich war? Ich weiß es nicht, tippe jetzt aber, wenn ich es mir so Recht überlege, eher auf die zweite Variante.

Sehr guter Drink gleich zum Beginn des Abends!

Sehr guter Drink gleich zum Beginn des Abends!

Erst kürzlich jedenfalls hatte mir eine Musikerin von ihrer Vorliebe zum Spargel erzählt und hatte es sehr bedauert, dass dieser offenbar aus Griechenland und nicht aus Österreich oder Deutschland kam. Wenige Tage später war es so weit und ich wurde zum Spargelessen ins „Adlers“ in Innsbrucks eingeladen, wo der Spargel aber auch garantiert aus der Region kommt. Zufall? Oder musst es einfach notwendigerweise so kommen? Ich bin sicher, dass es sich so verhält. Es musste so kommen. Es ist Spargelsaison, ich wollte Spargel Essen, die Einladung folgte auch prompt, obwohl ich diese nicht forciert hatte.

Wir ergriffen jedenfalls die Möglichkeit. Wir waren uns bewusst: Jetzt abwarten wäre falsch. Wir sagten zu, warfen uns am nächsten Tag um ca. 17:00 auch schon in Schale, schnappten uns ein Taxi uns ließen uns gen „Adlers“ kutschieren. Dort ab in den 12. Stock und schon waren wir mittendrin statt nur dabei. Mittendrin im sogenannten „casual dining“, das hier ab sofort also forciert werden sollte.

Zuerst aber natürlich noch mal ab auf die Terrasse, die sich hier natürlich sehen lassen kann. Der Drink schmeckte. Leider habe ich absolut vergessen, worum es sich handelte. Aber ist das wichtig? Ein guter Drink ist ein guter Drink ist ein guter Drink. Alles andere ist doch eher nur Zuschreibungs- und Beschreibungs-Geraune.

Spargel auch schon in der Vorspeise: Ja gerne!

Spargel auch schon in der Vorspeise: Ja gerne!

Danach weiter zur Spargelverkostung nach innen. Wir fühlten uns schon fast genötigt diesen schönen Blick hier wieder hinter uns zu lassen. Den Drink hätte ich außerdem auch gut und gerne noch in mehrfacher Ausführung genießen können. Obwohl das vielleicht meinen Tischmanieren danach abträglich gewesen wäre. Nicht zu vergessen nämlich: Im Adlers ist man nicht zwingend unter Seinesgleichen, sondern es geht schon ein wenig gehobener zu.

Leute, die viel Wert auf Kleidung und auf gutes Benehmen legen finden sich hier zu zuhauf. Eine Welt, in der ich immer ein wenig fremd geblieben bin und mich immer mal wieder nach legerer Kleidung, Dosenbier und Tiefkühlpizza sehnte. Ja, irgendwo in mir drinnen steckte der lange Zeit unterdrückte Bildungsverlierer, der mit Standesdünkel, akademischen Titeln und Wohlstand wenig anfange konnte. Ich wischte diese Gedanken aber schnell beiseite, nahm wieder Haltung an und schritt zur Spargelverkostung.

Spargel in der Kaltschale? Ja bitte!

Spargel in der Kaltschale? Ja bitte!

Was wartete auf uns? Ich nenne es mal: Die schöne neue Genusswelt. In welcher Spargel in vielfacher Variation aufgetischt wird. Spargel in der Vorspeise? Bitte sehr! Spargel in der Kaltschale? Ja natürlich! Spargel dann auch bei der Hauptspeise? Aber das ist doch Ehrensache. Schließlich musste der rote Faden des Abends gewahrt bleiben.

Diese „Genießerwelt“, die mir manchmal ein wenig wie ein Paralleluniversum zu meiner eigenen „Herkunftswelt“ erscheint, hat aber nicht nur die Vorteile, dass hier Zutaten ähnlich wie Motive in klassischen Kompositionen immer wieder auftauchen. Es ist nicht nur schön, dass hier dem Essen ein künstlerischer Wert beigemessen wird, sondern es gibt auch noch als Draufgabe quasi immer den richtigen Wein zum richtigen Essen. Einen Vorzug, den ich in den letzten Jahren mehr und mehr zu schätzen und zu lieben gelernt habe.

Es war ganz einfach so als gäbe es neben der einfachen Musikwelt des Pop noch eine ganze Vielzahl an Akkord-Variationen, die mir bis dahin verschlossen geblieben sind. Sprich: Gutes Essen ist wie eine neue Welt, die sich nicht jedem öffnet. Ganz egal ob da jetzt Wille, Geld oder Interesse dazu fehlt.

Ganz und gar nicht übel: Die Hauptspeise bei der Spargelverkostung. Mehr als nur Spargel!

Ganz und gar nicht übel: Die Hauptspeise bei der Spargelverkostung. Mehr als nur Spargel!

Vielleicht ist ja auch die Variante wie hier Essen angeboten wird eine Möglichkeit den Zugang für möglichst viele Menschen zu erleichtern? „Casual Dining“ nennt sich die Sache. Was nicht weniger heißt als dass es hier nicht immer ganz förmlich zugehen muss und auch mal ein guter Burger auf dem Teller landen kann. Auf Krawatte und allzu schicke Kleidung darf auch getrost verzichtet werden. Mir ist das grundsätzlich sympathisch, weil ich durchaus an die Demokratisierung der Kulinarik glaube.

Ob das Adlers damit aber alleine da steht? Erst heute früh wurde mir das „Greenvieh“ empfohlen. Auch dort soll es sich ganz lässig und doch sehr gut essen lassen. Im Moment natürlich auch wie an vielen anderen Orten Spargel.

Kurzum aber: ein gelungener Abend mit sehr gutem Essen und herrlichem Wein! Auf der Terrasse draußen hätten wir dann noch bis tief in die Nacht sitzen können. Aber was hilft es, wenn daheim der Babysitter unserer beiden Mädls wartete und wir frühzeitig los mussten? Für mich ist klar: Diese schöne, neue Genusswelt ist nicht immer mit dem Alltag kompatibel. Aber sie bietet eine schöne „Auszeit“. Man muss nur wissen, wann man die Gelegenheit beim Schopf packt und in diese eintritt. Möglichkeiten gibt es in Innsbruck und in Tirol definitiv genug.