Schnee in Obergurgl: Warum die „Bild“ wieder mal Unrecht hat

Kürzlich titelte die „Bild“, reißerisch wie sie nun mal ist, mit einer Formulierung, die vielen Touristikern und Hoteliers vermutlich schlaflose Nächte bereitete: „Kein Schnee in Österreich. Hoffentlich haben Sie noch keinen Skiurlaub gebucht.“ Und was passiert, wenn man es als Zeitung riskiert zu überspitzen und eine reißerischere Schlagzeile der detaillierteren Wahrheit vorzieht? Richtig: Man liegt ganz schön daneben. Denn die Schlagzeile der „Bild“ hält dem Realitätstest nicht stand, der sich anhand von Obergurgl im Ötztal machen lässt.Denn Obergurgl hat in Sachen Schnee im Moment allerhand zu bieten.

Kürzlich passierte es jedenfalls. Ich hatte es erwartet. Ich erhielt einen Anruf von einer Bekannten, die ein Hotel in Obergurgl führt. Sie war aufgebracht. Ja geradezu wütend. Es war eine Frage der Zeit, bis die Schlagzeile der Bild-Zeitung auch mich erreichen würde. Quasi beruflich.

Ich hatte den Artikel der „Bild“ jedenfalls schon einige Tage vorher gelesen, erwartungsgemäß dauerte es aber immer einige Tage, bis auch alle Hoteliers reagieren konnten. Schließlich waren sie im Stress. Mitten in den Vorbereitungsarbeiten für die Wintersaison. Da konnte man nicht auch nicht jede Schlagzeile verfolgen und darauf unmittelbar in der nächsten Minute reagieren.

So sieht Schnee aus, liebe "Bild"!
So sieht Schnee aus, liebe „Bild“!

Es gibt mehr als nur genug Schnee in Obergurgl!

Sie sage mir: „Tu doch was. Schreib was. Wir haben Schnee! Das können wir doch so nicht auf uns sitzen lassen.“ Alle Beschwichtigungsversuche meinerseits scheiterten. Meine Argumente prallten ab, von wegen: Wer nimmt denn die Bild Zeitung wirklich ernst? Denen geht es doch nur eine möglichst verknappte Überschrift, die ihnen dann auch ausreichende Verkaufszahlen garantiert. Und: Wer würde die „Bild“ jetzt tatsächlich als seriöse Zeitung wahrnehmen?

Schnee in Obergurgl!
Schnee in Obergurgl!

Doch eigentlich hatte sie Recht: Die „Bild“ hatte Einfluss und eine nicht zu unterschätzende Leserschaft. Auch wenn es nur ein kleiner Prozentsatz für bare Münze nahm was da wieder mal geschrieben wurde könnte das Folgen haben. Schwerwiegende. Diese große Zeitung war sich jedenfalls der Verantwortung nicht wirklich bewusst gewesen. Jetzt hieß es gegensteuern. Aufzeigen, dass das so nicht stimmte. Schneebilder, Schneebilder, Schneebilder. Die Leute wollen Schnee sehen, also geben wir ihnen Schnee. Denn den haben wir, wurde sie nicht müde zu behaupten.

Also gut. Ich tat ihr den Gefallen. Warum auch nicht? Schließlich lebe ich ja auch in Tirol. Und wer in Tirol lebt der weiß, dass es eigentlich neben dem Tourismus keinen wirklichen Sektor gab, der wirklich direkt und indirekt Jobs-  Arbeits- und Kaufkraft garantierte. Die Schneebilder trugen also auch unmittelbar dazu bei, dass ich in Zukunft auch genug zu schreiben haben würde. Ich stärkte die Wirtschaft. Mit jedem Schneebild ein wenig mehr.

Eine ehrenwerte Aufgabe, die ich hiermit als erfüllt ansehe. Als abgehakt. Und vor allem: Ich hatte der von mir wenig geliebten „Bild“ eines ausgewischt. Und ihre Vereinfachungen schonungslos entlarvt. Somit war ich auch einer typisch journalistischen Aufgabe und Funktion nachgekommen. Zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen.

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Von in Hochfirst