Weit oben da herrscht Stille – ein Grund zum Wandern

Schritt für Schritt geht es bergauf. Losgegangen sind wir ganz weit unten. Direkt raus aus der Gaststube und rauf auf den Berg. Die Sonne tut es uns gleich. Langsam, fast schüchtern, erwacht sie am Horizont. Und Schritt für Schritt. Minute für Minute steigt sie weiter auf. Wir sind extra früh losgegangen. Zu viert sind wir. Zwei Männer und zwei Frauen. Nein keine Pärchen. Aber wir können uns gut leiden. Am Abend, bei Wein, Bier, Speck und Brot können wir stundenlang lachen, johlen, diskutieren. Aber wenn wir wandern, dann herrscht Stille. Je weiter wir nach oben kommen, desto ruhiger. Angenehm diese Stille. Und so wichtig. Für jeden von uns.



Schritt für Schritt geht es also bergauf. Ich habe keine Ahnung wie lange wir schon unterwegs sind. Die Sonne steht schon recht hoch. Es dürfte irgendwann kurz vor Mittag sein. Seit mehreren Stunden wandern wir nun also schon vor uns hin. Jeder in seinem Tempo und dennoch irgendwie im Einklang. Keiner sprintet davon, keiner bleibt hinten. Jeder in seinem Rhythmus. Was gibt es schöneres? Als bergauf zu gehen, wenn eine kühle Brise einem um die Nase weht. Diese frische Luft die man in der Stadt, im Alltag, im Job nie schmeckt. Diesen Happen Natur den man einsaugt als wäre es der letzte Atemzug. Ein herrliches Gefühl. Frische Luft. Kühl. Rein. Klar. Und dann ist da noch die Sonne. Die zwar schon merklich an Kraft verloren hat und dennoch wärmt. Kraft spendet. Energie schenkt.

Ein herrliches Gefühl. Wie wir zu viert so vor uns hin wandern. Mittlerweile hat sich der Weg schon verändert. Anfangs war es noch eine breite Forststraße voller Schotter. Später wurde unser Weg klein, dünn, schmal und immer Schmaler. Nun haben wir auch die Wurzeln schon hinter uns gelassen und sind fast ganz oben. Dort am Gipfel wo ich mir besser einen Pullover anziehe, weil die Luft nun schon so klar ist, dass mir leicht fröstelt. Ich habe länger nicht ins Tal geblickt, mich nicht umgedreht, weil ich mir diesen Moment nicht nehmen will, wenn du oben ankommst, dort wo nur mehr Ruhe herrscht, der Adler in der Luft steht, schwebt, die Murmeltiere ihre Näschen in den kühlen Wind halten und die Steinböcke elegant von Fels zu Felsen springen.

Diesen Moment will ich mir selbst nicht nehmen. Wenn ich oben bin, ganz oben, mich umdrehe, nach unten schaue und die Sonne die Nebelsuppe im Tal in ein magische Licht taucht. Wenn all die vielen Stimmen, die Probleme, Sorgen, Missverständnisse und Streitereien ganz weit weg sind. Unwichtig und klein. Wenn ich den Moment genießen kann. Klar. Rein. Kühl. So wie die Luft die ich tief atme. Das ist das Gefühl das einem nur am Berg begegnet. Ein Gefühl das sich dir nur offenbart, wenn du Schritt für Schritt bergauf gegangen bist und die Stille genossen hast. Ein Gefühl das dir nur das Wandern schenkt. Und dann sehen wir uns an. Und die Eine sagt: „Wäre das schön, wenn wir doch für immer hier oben bleiben könnten.“

Weit oben da herrscht Stille – ein Grund zum Wandern
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Von in Gschichten.com