Klettern bald verboten? Klettersteig-Schein in Ramsau

Was ist der schönste Sport den man in den Bergen ausüben kann? Für mich ist es das Klettern. Ganz egal von welcher Spielart des Kletterns wir reden, ob Sportklettern, Bouldern, alpine Mehrseillängen oder Klettersteig gehen. Das Zusammenspiel von körperlicher Herausforderung und mentaler Stärke, das Bewußtsein, dass man das wertvollste – sein Leben – selbst in der Hand hat. Und auch die Möglichkeit zu scheitern und es dann erneut zu probieren, es besser zu machen. All das macht den Reiz des Bergsports für mich aus. Das ist ein Gefühl von Freiheit, wie man sie nur mehr in den Bergen erleben kann. Da will ich durch nichts eingeschränkt werden! Nur, wie lange darf ich noch so tun, wie ich will? Wenn es schon einen Klettersteig-Schein gibt, ist der nächste Schritt nicht weit.

So ein Klettersteig kann viel Spaß machen. Ein wunderbares Naturerlebnis bietet er obendrein.
So ein Klettersteig kann viel Spaß machen. Ein wunderbares Naturerlebnis bietet er obendrein.

Ich spiele nicht mit meinem Leben, meine Ausrüstung ist aktuell, ich bin fit und das Klettern habe ich mir von erfahrenen Kletterern beibringen lassen und beim Alpenverein bilde ich mich fort. Schritt für Schritt habe ich Erfahrung gewonnen, und ich lerne immer noch dazu. Vor dem Berg habe ich immer Respekt, denn ich weiß dass ein Fehler hier Konsequenzen nach sich zieht. Das ist mein Zugang zu diesem Thema.

Ohne Schein bald kein Klettersteig?

In den verschiedensten Magazinen, wie zum Beispiel den Bergwelten, ist der Klettersteig zu einem beliebten Thema geworden. Der Klettersteigboom der letzten Jahre scheint jetzt Folgen zu zeigen. Es gibt Auswirkungen, die ich persönlich nicht gut heißen kann. In Ramsau am Dachstein, das sich selbst die Heimat des ersten Klettersteigs der Alpen nennt, wurde jetzt ein sogenannter Klettersteig-Schein eingeführt. Noch ist das freiwillig, aber weiß wie lange noch? Was kommt denn da noch alles auf uns zu? Wehe, wenn irgendeinem Entscheidungsträger fad wird, dann steht uns vielleicht bald eine Helmpflicht im Haushalt bevor. Da passieren schließlich die meisten Unfälle, sagt die AUVA. Die Regulierungswut nimmt überhand. Man kennt das ja von unseren Behörden. Und wie so oft wird natürlich das Argument der Sicherheit vorgeschoben.

Im Klettersteig Tajakante auf den Vorderen Tajakopf. Darf noch ohne Klettersteigschein begangen werden.
Im Klettersteig Tajakante auf den Vorderen Tajakopf. Darf noch ohne Klettersteigschein begangen werden.
  • Selbstüberschätzung ist das größte Risiko im Klettersteig. Und was soll da ein Schein bringen? Fahranfänger, zum Beispiel, sind die größte Risikogruppe im Straßenverkehr. Sobald sie den Führerschein in der Hand haben, halten sie sich für unfehlbar und überschätzen sich erst recht. Warum sollte das beim Klettersteig-Schein anders sein?
  • Der Schein kostet natürlich auch Geld. Der Klettersteigaspirant kann sich seine Sicherheit also kaufen. Ganz einfach so. Bloß, nur mit Geld alleine komme ich auch nicht auf den Berg. Sieht man ja jedes Jahr am Mt. Everest. Die Bergführer dürfte der Klettersteig-Schein auf jeden Fall freuen. Sie sind es ja, die die Ausbildung machen.
  • Es gibt keine 100-prozentige Sicherheit, das sollte jedem bewußt sein, der in den Bergen unterwegs ist. Weder eine Art Führerschein noch eine Helmpflicht für Wanderer wird daran etwas ändern. Im Auto gibt es schließlich auch eine Gurtpflicht, trotzdem schnallen sich ca. 5 Prozent der Menschen nicht an.
  • Eigenverantwortung ist für mich das große Stichwort schlechthin. Ich weiß was ich tue, und wenn ich einen Fehler mache muss ich die Konsequenzen tragen. Uns werden immer mehr Entscheidungen von oben abgenommen. Aber diese Art der Entmündigung ist in meinen Augen völlig unnötig. Ich brauche keine gesetzliche Helmpflicht, weder beim Klettern, noch beim Ski- oder Radfahren. Ich entscheide selbst, ob ich einen Helm aufsetze oder nicht. Und in den meisten Fällen tue ich das, weil ich das so will!

Die Freiheit, die ich meine. Aber wie lange noch?

Kurz vor dem Ziel. Geschafft hat man's erst, wenn man wieder im Tal ist.
Kurz vor dem Ziel. Geschafft hat man’s erst, wenn man wieder im Tal ist.

Ich hätte da gleich noch ein paar Vorschläge. Wie wäre es denn zum Beispiel mit einer Wandererlizenz? Wer nicht fit genug ist, um vor den Killerkühen zu flüchten, muss im Tal bleiben. Eine verpflichtende Grillgrundausbildung brauchts auch unbedingt, damit sich das Familienoberhaupt nicht wieder die Pfoten verbrennt. Und wie lange darf man eigentlich noch an den Badesee gehen ohne die vorgeschriebene Wildwasserschwimmausbildung absolviert zu haben?

Wer bemuttert werden möchte soll doch bitte in der Wellnessanlage bleiben! Die Berge sind die letzte Bastion der Freiheit. Konsequenterweise sollte man dort auch sämtliche Warnhinweise entfernen. Den Rest erledigt dann die natürliche Auslese, Charles Darwin lässt grüßen. Zynismus? Ja natürlich, ich hab den großen Zynikerschein Klasse A.

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Von in Gschichten.com