Formel 1 – Die Ohren müssen bluten

Man muss Motorsport nicht verstehen, man muss ihn nicht lieben, aber eines muss er sein: Laut, sehr laut. Das hat sich seit Jahrzehnten bewährt und in erheblichem Maße zu seiner Popularität beigetragen. Ich weiß wovon ich schreibe. Als aktiver Motorsportler verschleiße ich meine Reifen bei der deutschen Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring, obwohl ich unter meinem Helm und der feuerfesten Sturmhaube nur die beruhigende Stimme meines Teamchefs von WS Racing höre. Aber rundherum ist die Hölle los.  Deshalb war es für mich auch Gesetz beim neu auferstandenen Formel 1 Grand Prix am Red Bull Ring in der Steiermark dabei zu sein. Da leistet man sich auch gerne Eintrittskarten in Höhe einer Monatsmiete und nimmt auch eine Unterkunft in 40 km Entfernung in Kauf. Wobei ich der Fairness halber festhalten möchte, dass sich der Naturpark Grebenzen sehr gut für ein verlängertes Wochenende eignet. Aber zurück zum Grand Prix. Die Organisation war perfekt, das Rahmenprogramm war perfekt und auch das Wetter hätte nicht besser sein können. Allein das Hauptrennen, die Formel 1, ließ ein wenig zu wünschen übrig. Nicht was das fahrerische Können oder die Attraktivität des Kurses anbelangt, nein, aber heutzutage muss man die Ohropax herausnehmen um festzustellen, ob die Boliden schon gestartet wurden. Eine Parade der Rasenmäher. Leise wie Bernie Ecclestone nach der Anklageverlesung. Der reinste Stummfilm. Und dafür wollen die Anrainer auch noch eine Entschädigung wegen Lärmbelästigung. Und auf den Tribünen schreien sich die Besucher nach wie vor an um sich verständlich zu machen, obwohl das längst nicht mehr nötig wäre. Ich fordere daher eine Rückkehr zur brachialen Lautstärke der vergangenen Jahre. Sonst fahre ich nicht mehr hin. Obwohl ich die Eintrittskarten für 2015 schon bestellt habe. PS: Und wenn sie in Zeltweg sind und gut essen wollen, dann gehen sie in den Hubertushof. Dort ist es zwar auch leise aber das Essen ist super.



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Von in Gschichten.com