Bleiburg und Werner Berg – einfache, herbe Schönheit

Bleiburg. Ein malerischer kleiner Ort. Seit mehr als hundert Jahren zählt die Stadtgemeinde am Fuße der Petzen kaum mehr als 4.000 Einwohner. Ein idyllischer Ort, voll herber, ursprünglicher Schönheit, auf Kärntner Boden und nur einen Katzensprung von der slowenischen Grenze entfernt. Die Karawanken prägen die Landschaft. Eindrückliche Bilder, wenn der dichte Nebel sich in das Tal legt und ein fast schon mystisches Licht zaubert. Ein Fleck Erde der zum Verweilen einlädt und zum Träumen. Und noch viel mehr zum genauen Hinsehen.



Nicht erst seit Kurzem tun dies ewige Romantiker, Naturverbundene und Ruhesuchende. Sie besuchen diesen südlichen Teil Kärntens, um „nahe an den Dingen“ zu sein. Das war auch der Traum von Werner Berg. Der deutsch-österreichische Maler (1904-1981) spürte schon in jungen Jahren, dass in der Natur die Quelle seines Schaffens lag. Nach seinem Kunststudium, unter Karl Caspar in Wien, verwirklichte er sich seinen Kindheitstraum und zog nach Kärnten auf den Rutarhof. Einen Bergbauernhof im kärntnerisch, slowenischen Grenzgebiet. Dort lebte er, gemeinsam mit seiner Familie, das naturverbundene und einfache Leben eines Bauern. Sein Leben sollte, so sein Wunsch, in sich einen Sinn haben. Ein hartes Leben, voller Entbehrung. Und dennoch ermöglichte es ihm die Unabhängigkeit des Kunstbetriebes und dessen Zwängen. So brach er ziemlich rasch mit allen erlernten, akademischen Regeln und wählte einen Stil der Malerei, der den ihm gebotenen Bildern nahe kam – einfach, primitiv, aber mitten aus dem Leben.

Zu Kriegszeiten. Eine turbulente Periode. Seine Werke galten während der Zeit des Nationalsozialismus als entartete Kunst. Doch auf Drängen eines Offiziers wurde er zum Kriegsmaler in Skandinavien. Bereits vor dieser Zeit pflegte er enge Freundschaften zu Emil Nolde, Werner Scholz und Herbert Boeckl. Prägende Freundschaften.

Seine Werke sind Darstellungen der Alltagswirklichkeit seiner Umgebung. So zeigen seine Bilder ländliche Szenen und deren Akteure. Zwischen Berg und seiner Umgebung scheint über die Jahre eine enge Bindung entstanden zu sein. Denn kaum jemand versteht es (bis heute) die Realität und deren Interpretation gleichermaßen zu erfassen und diese in einem solch verdichteten Ausmaß und mit solcher Einfachheit und wie Schönheit auf die Leinwand zu bringen.

Die Stadt Bleiburg, in der Nähe des Klopeiner See’s, errichtete 1968 das Werner Berg Museum anfänglich als Gallerie und würdigte so einen ihrer größten „Söhne“. Neben der umfangreichen ständigen Sammlung seiner Werke, gibt es jährlich Sonderausstellungen, wie etwa von Emil Nolde, Oskar Kokoschka und Egon Schiele.

Text/Recherche: Lisa Reifer und Felix Kozubek
Bilder/Fotos: Werner Berg, Werner Berg Museum, bergfex

Bleiburg und Werner Berg – einfache, herbe Schönheit
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