Ein Konzept wie ein Symphonie: Das „Loisium“

Bitte verzeiht diese etwas vulgäre Formulierung. Aber ich könnte k***en wenn wieder mal das X-te Prospekt vom Hotel XY in meinem Postkasten landet und mir das absolut gleiche anbieten und verkaufen will wie andere Hotels auch. Und dabei auch noch so tut als wäre es etwas Besonderes. Denn ich bin für viel zu haben. Aber für Langweile und das Immer-Gleiche überhaupt nicht. Zum Glück, auch für meinen Blutdruck, gibt es Ausnahmen. Und zum Glück gibt es Freunde.



Gute Freunde kennen einen und wissen um die individuellen Vorlieben. Und bei mir ist die Sache eigentlich relativ einfach: Ich bin notorisch unzufrieden und notorisch anspruchsvoll. Ein bisschen schönes, aber letztlich gesichtsloses Design? Ein bisschen Extravaganz, die aber nicht zu Ende gedacht worden ist und somit eher aufgesetzt wirkt? Ein wenig Klavier-Geklimper am Abend und noch ein kleines bisschen, damit es noch mehr Stimmung erzeugt, Schlagzeug und Samples von Band dazu, von einem Pianisten vorgetragen dem man seine Lust bzw. Unlust hier zu spielen anmerkt? Nicht meine Sache. Brauche ich nicht.

Alles Dinge, die anderen egal sein mochten. Mich störten solche Unstimmigkeiten massiv. So etwas machte mir den Genuss des Aufenthaltes in einem Hotel unmöglich. Ich weiß schon: Ein wenig elitär klingt das jetzt schon. Aber von den meisten Hotels und deren Angeboten fühle ich mich nicht ernst genommen. Das beginnt bei der Sprache auf den Homepages, die vor Klischees nur so strotzen (derjenige, der als  nächstes von „Seele baumeln lassen spricht“ wird meinen ganzen Hass auf sich ziehen) über die „Veranstaltungen“ in der Region, die wohl kaum als solche bezeichnet werden können und die den guten Geschmack andauernd beleidigen.

Ich meine: Schöne Landschaft gibt es ja an manchen Orten. Aber dann als musikalisches Programm zum Beispiel „volksdümmlicher“ Schlager? Nein danke. Dann doch lieber wo anders hin, wo das Musikprogramm und das Kulturangebot besser sind. Und sowohl Design als auch Gesamt-Inszenierung des Hotels stimmen. Denn das ist für mich ein gutes Hotel: eine gute, stimmige, Gesamt-Komposition, die nur dann gut klang, wenn alle Details stimmten und perfekt ausbalanciert und komponiert werden. Ein gutes Hotel ist eine Symphonie, die mich entweder langweilt oder fasziniert.

Perfekter Zusammenklang aufregend ins Szene gesetzt: Das „Loisium“

Letzten Endes hat mir jedenfalls ein Freund, vielleicht mein bester Freund, ein Prospekt in die Hand gedrückt, das mich augenblicklich glücklich gemacht hat. Ihr habt es schon erraten: Es war ein Prospekt des „Loisium“, das „Wein & Spa Resorts“ als Zusatz ausgewählt hat. In einer Weingegend gelegen, genauer noch in Langenlois. Es gab sogar noch mehrere Resorts, in Niederösterreich, in der der Steiermark und in Elsass. Da wird sicherlich jeden seinen liebsten Orten finden.

Für mich ist aber wohl DAS Argument dem „Loisium“ demnächst einen Besuch abzustatten in einer Kombination zu finden, die mich so in dieser Form schon interessiert: Architektur, Wein und Spa. Während mich manche Hotels einfach nur in Sachen Architektur beleidigen und der Trend zu Modernität zu vielen Häusern gar nicht passt und diese noch gesichtsloser werden lässt, als sie es ohnehin schon sind, funktioniert die Modernität beim „Loisium“ ganz hervorragend. Modern sieht das alles aus, ja. Aber irgendwie auch in der sachlichen Klarheit einladend und fast schon gemütlich. Keine Ahnung, wie diese Wirkung genau erzeugt wurde. Eine Möglichkeit wäre vielleicht die direkte Nähe zum Wein. Hier ist man mittendrin statt nur dabei. Der Wein wächst hier direkt vor der Haustür. Ich war sicher, dass es mir hier gefallen würde.

Ich könnte natürlich noch weiter davon schwärmen, wie sehr mich das Konzept hier ansprach und begeisterte. Aber letztlich war es besonders auch eine Tatsache, die mir sehr gefiel. Nicht „nur“ Wein, Design und Architektur gab es hier in rauen Mengen und in hoher Qualität, sondern auch das Kulturprogramm in der Region war vom Feinsten. Denn, wie es der Zufall nun einmal will, findet das „Grafenegg Festival“ quasi einen Katzensprung entfernt vom Resort in Langelois statt. Eine glückliche Fügung.

Denn wer mich kennt der weiß, dass ich mit der Musik von Semino Rosi, Hansi Hintereseer oder Helene Fischer eher nicht so glücklich werden. Und noch viel weniger mit noch schlechteren Epigonen, die in so manch ländlicher Region zu finden waren. Grafenegg war da eine sehr rühmliche Ausnahme. Und zeigte auch, dass sowohl Region, als auch das „Loisium“ als auch das Kulturprogramm dort  vor Ort wie mich gemacht zu sein schienen.

Für mich waren das Entsprechungen. Während anderswo das Konzept eines Hotels, eines Resorts oder von was auch immer oft am Reißbrett entworfen wurde und dann auch in der Realität genau so gesichtslos und nichtssagend wirkte, war das „Loisium“ wohl das Ergebnis eines wirklichen kreativen Einfalls. Ideen und eine gelungene, handwerklich perfekte Umsetzung braucht es auch in der Musik, ansonsten klang das alles nach nichts. Oder eben nach vielem anderen, das schon mal da war und das man so nun wirklich nicht mehr brauchte.

Zum Glück hatte ich das „Loisium“ entdeckt, das mir zum Refugium während meines Aufenthaltes in Langenlois werden würde. Denn dort würde ich genießen: Die Symphonie des Hotels und die tatsächlichen Symphonie beim Festival Grafenegg. Besser würde es so schnell sicher nicht werden.

Ein Konzept wie ein Symphonie: Das „Loisium“
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Von in Gschichten.com