Killerkühe am Berg und Ochsen im Tal – Tirol 2014

Auf zu den Waffen. Die Killerkühe greifen an. Wir müssen uns wehren. Niemand ist mehr sicher. Die Almenwanderung verkommt allmählich vom Erholungsweg zum Schlachthaustrip. Rabenmutter – war lange Zeit der Ausdruck für die schlimmsten aller Kinderspenderinnen. Nun sind es die Mutterkühe, diese in der Seele pechschwarzen, vogelgesichtigen Taugenichtse, die sich den unrühmlichen Thron ergattert haben. Mutterkühe die ihre Jungen beschützen sind das wahre Böse. Eltern haften für ihre Kinder. Die Berg-Idylle für ihre Viecher. Der touristische Supergau. Dagegen ist die drohende Schneearmut wahrlich nur ein frommes Kalb.



Tirol 2014. Die Touristiker schlottern mit den Knien, dass sich bereits die ersten Muren lösen. Der heimische Bauer echauffiert sich über die Ignoranz der Wanderer mit Hund und noch mehr über die regionalen Qualitäts-Medien, die nur einseitig berichten und ganz verschweigen, dass die Kühe vor den Angriffen als Rindviecher bezeichnet wurden. Chaos im Alpenraum. Aufgeheizte Stimmung. Fronten bis zum Horizont. Fundamentalisten verlieren ihren Glauben. Großvisionäre träumen ohne Inhalt. Schreckliche, grauenvolle Bilder die den abgebrühtesten Kriegsreportern die Galle hochkommen und den Magen drehen lassen. Das ist der Sommer in Tirol.

Doch wir glauben an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Ein echter Tiroler lässt sich nicht beirren. Die Furchen in unseren Gesichtern gewinnen nur minimal an Tiefe und die Bräune unserer ledrigen Haut weicht keiner blassen Furcht. Im Gegenteil. Er da oben hat schon einen Plan. Es gibt einen Grund wieso unsere sonst so frommen Viecher reihenweise „Deitsche“ Richtung Tal befördern, das ist sicher. Bleibt nur mehr Zeit zu beten, dass die armen Seelenwanderer ihr Zimmer schon bezahlt haben.

Tirol 2014. Bleibt nur eine Frage offen. Vor wem müssen wir uns mehr fürchten? Vor den Kühen auf der Alm, oder vor den Ochsen herunten im Tal? Fehlt nur noch, dass sich noch mehr arme Viecher vor Scham in den Tod stürzen müssen. Wir sind gegen Kollektivhaftungen und kollektive Strafen. Doch in Zeiten wie diesen sind die Killerkühe auf den Almen eben wirklich unser größtes Problem. Doch dabei brauchen unsere ohnehin schon immer am letzten Zahnfleisch raunzenden Touristiker nicht schlottern, die sollten lieber jubeln.

Denn ihre Artgenossen mit Zugang zum Meer hatten bisher immer den gefährlichen weißen Hai, der seit seiner Hauptrolle in einem Trash-Hollywood-Streifen für zahlreiche Buchungen sorgte. Wäre also durchaus denkbar, dass es bald „Milka und ihre Kampftruppe“ oder „Gangs of the alps“, jeweils mit Tobias Moretti in der Hauptrolle, im Kino zu sehen geben wird. Also auf zu den Waffen. Die Tourismusverbände sollten ab sofort beginnen Rückenprotektoren, Helme und das Kuhspray zu verkaufen. Ein Geschäft wärs allemal. Und das nicht zu haben, wäre wohl das eigentliche Problem. Tirol – du Mutterkuh!

Killerkühe am Berg und Ochsen im Tal – Tirol 2014
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Von in Gschichten.com