Heimat bist du großer Baustellen

Das ist kein neuer Text von Andreas Gabalier. Wer in diesen Tagen auf Österreichs Straßen unterwegs ist, weiß worauf ich hinaus will. Eigentlich muss ich das meinen mobilen Mitbürgern (ich lasse das -innen jetzt mal weg, das wird mir sonst zu kompliziert) gar nicht erklären. Der Schnee geht, die Baustellen kommen. Das ist seit Jahrzehnten so. Genau genommen seit 1886. Damals hat Carl Benz sein erstes Auto zum Patent angemeldet und seither wiederholt sich Jahr für Jahr die selbe Prozedur. Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, kann ein Lied davon singen. Ich sogar zwei. Denn ich bin im Osten Österreichs geboren und muss als nunmehriger Tiroler zwecks Verwandtenbesuch gelegentlich nach Niederösterreich zurück kehren. Meine Frau sagt ich stamme vom Balkan. Sie ordnet alles östlich von Kufstein in diese Region ein, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls war es kürzlich wieder an der Zeit in Richtung Osten aufzubrechen. Gewitzigt durch zahlreiche Expeditionen während der letzten Jahre habe ich zunächst auf der Website des ÖAMTC, unter dem Menüpunkt „Baustellen Verkehrsservice“, die aktuelle Lage gecheckt. Zuerst dachte ich, ich wäre auf der Seite der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik gelandet. Alles voll von roten Blitzen. Gewitter hätten mir nichts ausgemacht, aber die Blitze hatten alle die Form von Verkehrszeichen, die auf Baustellen hinweisen. Aber beim ÖAMTC kann man auf Nummer sicher gehen. Wer genau wissen will ob ihn die Baustellen alleine noch zu wenig behindern werden, der kann unter dem Menüpunkt „Staukalender“ überprüfen, ob er nicht zufällig im Rahmen der Österreich-Rundfahrt den heimischen Rad-Assen im Weg steht. Alles in allem eine runde Sache. Wäre da nicht das untrügliche Gefühl, dass sich die Baustellen jedes Jahr an der selben Stelle befinden. Vielleicht hat der Vorarbeiter irrtümlich sein Handy einbetoniert und wenn es auf der Autobahn klingelt, dann ist das für die ASFINAG Grund genug, diese Stelle wieder aufzureißen. Und bei der ASFINAG klingelt es gewaltig. Vor allem in der Kasse. Kein Wunder bei den Mautgebühren und den Einnahmen durch die jährlich teurer werdenden Autobahnvignetten. Nicht umsonst bezeichnet sich diese Institution als benutzerfinanziert. Von benutzerfreundlich hat niemand was gesagt. Das wär ja noch schöner. Und mit der Bahn zu fahren, ist auch nicht immer eine brauchbare Alternative. Aber davon ein anderes Mal. Und wenn sie beim nächsten Mal wieder mit 30 km/h durch eine menschenleere Baustelle rollen, dann denken sie daran: Der Schlosser arbeitet auf den Millimeter, der Zimmermann auf den Zentimeter. Und beim Bauarbeiter muss man aufpassen, dass er auf dem Gelände bleibt.



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Von in Gschichten.com