Kommentar: Gefälschte Hotel Bewertungen – wir sind selbst schuld!

Unser Internet ist bekanntlich ein wahrer „Wochenmarkt der Lügen-G’schichten“. Einen weiteren Beweis dafür – konnte man in den vergangenen drei Wochen auf TripAdvisor bestaunen. Zu Testzwecken wurde dort – in einem Kommentar – ein Hotel in einer Salzburger Wintersportregion als „Strandhotel mit Krokodilen, Affen und Karibikflair“ beschrieben. Auf einer seriösen Seite hätte man erwarten können, dass dieser Kommentar gefiltert werden würde. Doch das Gegenteil war der Fall. Innerhalb von nur einem Tag war die Hotel Bewertung freigegeben und war damit sage und schreibe 3 (!) Wochen lang sichtbar. Verarsche pur! Auf den ersten Blick.



Heute berichten nicht nur Online-Sparten-Blogs, sondern auch namhafte in- und ausländische Medien, über diesen dreisten Fall – der einem, ob seiner Unglaublichkeit, durchaus ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Doch dahinter steckt eine Strategie der bewussten Täuschung und vorsätzlichen Irreführung – deren Ausmaß nur die wenigsten begreifen. Denn auch wenn immer wieder über „Fake“-Bewertungen auf solchen Seiten berichtet wird, so richtig bewusst ist einem das während der Nutzung dieser Online-Dienste dann eben doch nicht. Zumindest hatte ich bisher (und das ist meine eigene Schuld) immer das romantische Bild im Kopf, dass schlaue Hoteliers, für ihr eigenes Haus, ab und zu mal selbst einen positiven Kommentar verfassen oder ihre Verwandten und Bekannten darum bitten. Dass laut Schätzungen aber 20-30% aller Kommentare und Bewertungen gefälscht sein sollen, gleicht schon eher einer mafiösen Struktur. Doch das ist nur die eine Seite des Systems, welches ohne die Unmündigkeit und Faulheit der Kunden wohl weniger lukrativ wäre.

Böse Zungen behaupten ja, dass Marketing als solches, generell eine Art der Konsumententäuschung sei. Doch auch wenn diverse Hochglanz-Werbungen im Print- und TV-Bereich nicht immer von der ganzen Wahrheit handeln – Bewertungen, Empfehlungen und Beschreibungen im Netz tun dies wohl in einem noch geringerem Ausmaß. Bleibt die Frage nach dem/den Schuldigen. Sind es etwa die Hotels die für gute Bewertungen zahlen? Die Agenturen die sich auf die Fälschung solcher Kommentare spezialisiert haben? Oder trifft die Schuld gar die Kunden selbst? Eines sollte klar sein. Meiner Meinung nach liegt liegt die Verantwortung letztlich beim Konsumenten selbst. Denn wer wirklich glaubt, dass sich Krokodile und Affen in Salzburg wohlfühlen und die Salzach die schönsten Strände außerhalb der Karibik zu bieten hat – der soll ruhig buchen.

Kommentar: Gefälschte Hotel Bewertungen – wir sind selbst schuld!
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Von in Gschichten.com

  • Markus Stegmayr

    Ich finde auch die Frage interessant, warum immer noch so viele Leute auf vermeintlich „objektive“ Plattformen vertrauen, die sich dann zum Teil als mit Fälschungen gespickt herausstellen. Reisen und Reiseerlebnisse sind immer subjektiv. In dieser Hinsicht glaube ich, dass ich einem „subjektiven“ Blog mit Meinung des jeweiligen Bloggers wesentlich mehr vertrauen kann als einer Plattform, die Reiseerlebnisse und -erfahrungen nach vermeintlich objektiven Kriterien und nach „Sternchen“ bewerten möchte.