Obergurgl und die Russen: Angst, Zukunft und Vorurteile

Obergurgl und die Russen: Angst, Zukunft und Vorurteile
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Vor ein paar Jahren wurden Hotels in Obergurgl und in Sölden von russischen Investoren übernommen. Ängste und Befürchtungen wurden laut. Verschwörungstheorien inklusive. Davon ist nichts geblieben.

 

Was geschah

2011 und 2012 wurden drei Ötztaler Traditionsbetriebe, allesamt Familienbetriebe, an eine russische Investorengruppe verkauft: Das Hotel Valentin, das Hotel Josl und das Hotel Gurglhof alias Gamper. auch die damalige Pension Sonnhof, nun „Apartmenthaus Gurglhof„, wurde inzwischen von den Investoren erworben und umgebaut.

Die „100% Fun Hotel GmbH“ Gesellschaft mit Sitz in Sölden erwarb die drei Hotels. Diese GmbH ist eine Tochter des spanischen Hotelbetreibers „Cien Por Cien Fun“, die auch ein Hotel in Spanien führt, die drei russischen Gesellschaftern gehört.

 

Die Umbauarbeiten im Detail

– Generalsanierung des Hotel Valentin: Sämtliche Zimmer sowie die Public Area wurden erneuert.
– Der Gurglhof wird aktuell umgebaut und rückt in die 4-Stern-Superior-Klasse auf.
– Im Hotel Josl wurde der Wellnessbereich um 400 m² erweitert.
– Das Apartmenthaus Gurglhof wurde generalsaniert und von einer Pension zum Luxusapartmenthaus umgewandelt.

 

Die Angst

Diese Geschäftskonstruktion mutet verdächtig an: Wurden hier dubiose Geschäfte gemacht? Wurde gar österreichisches Recht umgangen? Werden wir nun von den Russen übernommen? In den Medien wurde der Kauf teilweise recht kritisch beurteilt. Es machten sich Angst und Sorgen über die Zukunft des Tourismus und die Wertschöpfung breit.

Tatsächlich ist diese Vorgangsweise völlig rechtens. Das machen viele andere Firmen in Europa auch so und sie war nie ein Geheimnis. Die für den Kauf zuständigen Gemeinden und Behörden waren stets informiert.

2011 und 2012 wurden drei Ötztaler Familienbetriebe an eine russische Investorengruppe verkauft

2011 und 2012 wurden drei Ötztaler Familienbetriebe an eine russische Investorengruppe verkauft

 

Die Zukunft

Was ist seitdem passiert?

  • Die neuen Eigentümer haben das Stammpersonal zum großen Teil übernommen.
  • Nach dem Kauf wurden an die 15 Millionen Euro in die zusätzliche Aufwertung der 4-Stern-Hotels investiert.
  • Die vier Betriebe bieten über 70 Arbeitsplätze.
  • Die Hotels sind sehr gut ausgelastet.
  • Der Gurglhof ist in die vier-Sterne-Superior-Kategorie aufgerückt.

 

Albert Ehrenreich

Albert Ehrenreich

 

 

“Geld, das in der Region bleibt, weil mehrheitlich heimische Firmen zum Zug kamen.”

Albert Ehrenreich, Tourismusberater und Geschäftsführer der Hotels Josl und Gurglhof.

 

 

 

Schließlich soll ja auch Gewinn erwirtschaftet werden. Gewinn, der in den letzten Jahren immer wieder reinvestiert wird.

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass es den neuen Eigentümern mit dem Betrieb der Hotels ernst ist: Der erwirtschaftete Gewinn wird fast vollständig reinvestiert. Das Engagement ist auf Langfristigkeit ausgelegt. In Obergurgl wird auch in zehn Jahren noch genug Schnee fallen und es wird auch in zehn Jahren noch viele Menschen geben, die gerne Skiurlaub machen. Das befürchtete Heuschreckenverhalten – kaufen, ausnehmen, abstoßen – ist ausgeblieben.

 

Böse Investoren?

Versuchen wir dieses Thema in ein paar Fragen zu beantworten.

F:   Was ist schlecht daran, dass Geschäftsleute investieren?

A:   Gar nichts. So kommt das Geld unter die Leute

F:   Was ist schlecht daran, dass diese Investition in Tirol getätigt wurde?

A:   Auch gar nichts. Im Gegenteil: Unser Bundesland braucht Investitionen, weil sonst Stillstand droht.

F:   Sind die russischen Investoren unseriöse Geschäftsleute?

A:   Das hätten die zuständigen Behörden rasch bemerkt. Und zwar bei uns und in Russland. Dort gibt es, auch wenn wir es in den Medien nicht so oft lesen, gleichfalls Behördenverfahren und Kontrolle.

Die russischen Geschäftsleute haben in Tirol investiert, weil sie sich langfristig Gewinn erwarten.

Die russischen Geschäftsleute haben in Tirol investiert, weil sie sich langfristig Gewinn erwarten.

Die Moral von der Geschicht

Die russischen Geschäftsleute haben in Tirol investiert, weil sie sich langfristig Gewinn erwarten. Das heißt, dass sie verantwortungsbewusst und nachhaltig vorgehen. Das beweisen die nach dem Kauf getätigten Investitionen. Das bedeutet, dass es Arbeitsplätze in Tirol gibt und dass Steuern bezahlt werden. Unseriöse Geschäfte schauen anders aus! Investitionen, die unsere Wirtschaft ankurbeln, sind durchaus willkommen!

Ach ja: Schön dass es den Investoren in Tirol so gut gefällt und nicht anderswo.

 

Die Vorurteile

Sind alle russischen Geschäftsleute Gauner?

Sind alle russischen Geschäftsleute unseriös?

Alle Russen trinken, alle russischen Geschäftsleute sind Gauner. Ja eh, und alle Tiroler sind anständige Leute. Immer und ausnahmslos.

Hat sich wirklich so wenig geändert seit dem Beginn des ersten Weltkrieges? Damals musste Serbien sterbien, jedem Franzos’ gebührte ein Stoß, jedem Brit ein… aber lassen wir das.

Tatsache ist:

Es gibt EU-Recht. Und das gilt in der EU. Also auch in Tirol.

  • Es gibt in jedem Land anständige und unanständige Menschen.
  • Es gibt keine kollektive Schuldvermutung allen Bürgern eines Landes gegenüber. Weil diese Zeiten gottseidank vorbei sind.
  • Es gibt immer noch Behörden, die in der Lage sind, Wirtschaftsbetrug zu entlarven.
  • Tirol lebt auch vom Tourismus. Und der Tourismus lebt auch von Investitionen.

 

Fassen wir zusammen

Russische Investoren haben in der Tiroler Hotellerie investiert. Im Rahmen der EU-Gesetzgebung. Dass diese Investitionen notwendig sind, ist keine Frage. Dass Ängste und Unsicherheiten bestehen, ist verständlich. Daher braucht es Information.

Dieser Artikel kann hoffentlich einen kleinen Beitrag dazu leisten.