Weihnachtsmarkt

Weihnachtszeit, wie sie früher bei uns mal war

Weihnachtszeit, wie sie früher bei uns mal war
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Die Vorweihnachtszeit, meine Lieblingsjahreszeit. Alles wird ein wenig gemächlicher, geheimnisvoller und stiller. Außerdem riecht es überall nach Weihnachten. In der Stadt, in Richtung Weihnachtsmarkt duften die heißen Kastanien, der Glühwein, der Kinderpunsch und die gebrannten Mandel. Herrlich!

Anklöpfeln, was für ein schöner Brauch

Schon als Kind war die Vorweihnachtszeit bei uns daheim eine ganz besonders stimmungsvolle Zeit. Als Kinder begann diese Zeit für uns Mitte November mit den Proben für das „Anklöpfeln“. Jeden Donnerstagnachmittag vor Weihnachten gingen wir damals in der Nachbarschaft von Haus zu Haus und sangen Weihnachtslieder. Wir freuten uns immer riesig über ein paar Schillinge oder über selbstgebackene Kekse. Wenn ich so zurückdenke, hat es immer Spaß gemacht.

Weihnachtsduft in jedem Raum

Auch ein Highlight in der Vorweihnachtszeit: Kekse backen mit Oma. Bei ihr durften wir auch alle gleich kosten. Die restlichen Kekse wie Linzer Augen, Vanillekipferl, Lebkuchen oder Anisbögen wurden in schönen Dosen im Weihnachtszimmer verstaut und versperrt. Zugang zum Weihnachtszimmer hatte nur das Christkind, dort wurden auch die Geschenke verpackt. Hin und wieder hörte man es dort rascheln oder es roch nach Weihrauch.

Ein Adventkalender muss her

Jeder von uns vier Geschwistern hatte seinen eigenen Adventkalender. Den gab’s immer vom Nikolaus, meist selbstgemacht und mit Süßigkeiten gefüllt. Manchmal kam der Nikolaus sogar persönlich bei uns daheim vorbei. Komisch nur, dass der Nikolaus so viel über unsere Schandtaten wusste und unser Opa ihn nie zu Gesicht bekam. Dieses Geheimnis wurde nie gelüftet.

Weihnachtslieder

An den Adventsonntagen, sobald es dämmrig wurde, übten wir die Weihnachtslieder für den Heiligen Abend.

Wiltener Sängerknaben

Wiltener Sängerknaben (Foto: © Martin Gamper)

Mein großer Bruder und ich mit der Flöte, nicht immer ganz fehlerfrei. Der Rest der Familie hat die Weihnachtslieder live gesungen. Das Büchlein mit den Texten hab ich immer noch.

Ein Brief an das Christkind

Der Wunschzettel an das Christkind durfte natürlich nicht fehlen. Um hier Verwechslungen unter uns Geschwistern zu vermeiden, hatte jeder Brief an das Christkind seinen eigenen Platz. Mit Zeichnungen oder Schmuckzeilen verziert am Fenster gut für das Christkind sichtbar. Hin und wieder war ich ganz schön enttäuscht, wenn der Brief am nächsten Morgen immer noch da war. Dafür gab es immer eine Antwort mit goldener Schrift oder auch blieb mal ein blondes Haar zurück. Unglaublich, welche Freude wir daran hatten.

Alle Jahre wieder

In der Stadt, in Richtung Weihnachtsmarkt duften die heißen Kastanien

In der Stadt, in Richtung Weihnachtsmarkt duften die heißen Kastanien

Auch ein Erlebnis jedes Jahr war das Aufstellen der Krippe. Ein paar Tage vor Weihnachten holten wir die Krippe vom Dachboden, säuberten sie und stellten sie im Wohnzimmer auf. Mit den gesammelten Zapfen bzw. Tannenzweigen wurde die Krippe festlich geschmückt. Das Jesuskindlein wurde erst am Weihnachtstag in die Krippe gelegt.

Aufregung den ganzen Tag

Am Weihnachtstag selbst war die Aufregung von der Früh weg schon groß. Nach dem Frühstück ging’s hinaus. Wenn es Schnee gab, ab auf die Piste mit Skiern oder Rodel. Bei grünen Weihnachten durften wir zu Opa in den Stall und die Tiere versorgen. Das Weihnachtsprogramm im Fernsehen war ebenso ein Highlight, ORF 1 und ORF 2 gab’s zur Auswahl. Die Weihnachtsmärchen auf ORF 1 hatten es uns besonders angetan. Da gab’s mal keinen Streit unter uns Geschwistern. Meine beiden jüngeren Geschwister mussten, bis sie zehn Jahre alt waren, den Nachmittagsschlaf einhalten. Wir älteren durften mit Papa die Nachbarschaft besuchen und die selbstgebackenen Kekse verteilen. Dies war ein besonders schöner Brauch bei uns. Leider wird das jetzt nicht mehr gemacht.

Die Vorweihnachtszeit, meine Lieblingsjahreszeit (Foto: Foto © Gerhard Berger)

Die Vorweihnachtszeit, meine Lieblingsjahreszeit (Foto: Foto © Gerhard Berger)

Ein wunderschönes Bild in meinem Kopf

So verging der aufregendste Tag im Jahr. Für uns immer zu schnell, aber wenn ich so zurückdenke mit vielen wunderschönen Bräuchen innerhalb der Familie. Traditionell gab es zum Abendessen immer eine Würstelsuppe. Voller Aufregung wurde gegessen, bis das Glöckchen vom Christkind läutete. Oh, wie war die Spannung groß. Voller Ehrfurcht schlichen wir in das Wohnzimmer. Die vielen Lichter am Weihnachtsbaum, der Duft von Weihrauch und Keksen, die Pakete unter dem Baum… was für ein wunderschönes Bild in meinem Kopf.

 

Bilder: ©Kitzbühel Tourismus