Volksmusik in Tirol. Geht es noch altmodischer?

Volksmusik in Tirol. Geht es noch altmodischer?
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Wie altmodisch ist Volksmusik in Tirol? Wer steht heutzutage noch auf diese Art von Musik, oder wer spielt diese heute noch? Sie muss doch aussterben! Es spielen ja fast nur noch alte, bodenständige Leute. Man stellt sich darunter mit der Zeit stehen gebliebene Musiker vor, die eigenartige Instrumente wie Hackbrett, Zither, Harfe oder Okarina spielen.

Trotzdem hat mich diese Art von Musik schon früh inspiriert. Die Geselligkeit. Das Gemütliche. Das Ruhige. Das Heimelige. Die Ausdruckskraft. Dinge, die man in Discomusik nicht findet.
Die neuen Leute, die man beim gemeinsamen Tanzen kennen lernt. In der Musik, wo es nicht um Konkurrenz und Bessersein geht – im Gegenteil – wo es darum geht gemeinsam, mit der Musik Spaß zu haben und nette Abende zu verbringen.

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Keine einsaitige Geschichte

Die alte neue Volksmusik

Trotzdem ist in Tirol ein Aufschwung an jungen Volksmusikern. Für viele unerklärlich – für uns selbstverständlich.Durch den mittlerweile sehr bekannten Südtiroler Ziehharmonika Spieler Herbert Pixner nimmt die Volksmusik in Tirol neue Formen an. Aus gewöhnlichen Polkatakten erklingen rhythmische und fetzige Klänge. Auf diesen Zug springen natürlich Junge auf, denn im Teenageralter will keiner etwas mit primitiven Boarischen zu tun haben – doch dank Pixner hat das Ganze ein neues Gesicht bekommen.

Es ist erstaunlich wenn man den Terminkalender des Südtirolers ansieht. Jede Woche ausverkaufte Konzerthallen und eine Menge Fans. Auch Fernsehportale, die Berichte über ihn und seine Band veröffentlichen, sind nicht unbedeutend.

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Volksmusiker in der heutigen Zeit – geht das?

Um im Teenageralter Volksmusik zu spielen bedarf es an viel Mut und Selbstbewusstsein. Denn es ist in der Gesellschaft „Out“. Nur der kleine Teil, der auf der Volksmusikschiene ist, hält noch etwas von diesem Stil.

Es fängt schon in der Schule an. Die anderen gehen zum coolen Schitraining oder Volleyball, lernen Schlagzeug oder E-Gitarre. Undwas mach ich? Ich geh‘ am Nachmittag in die Musikschule im Fach Harfe.
Nun schon das erste Problem. Es ist nicht selbstverständlich, dass man weiß was Harfe ist. Da kommen hin und wieder schon Blicke in Richtung „Was bist du für eine?“.
Nach diesen Blicken kommt dann die berüchtigte Frage: „Und was für eine Richtung Musik spielst du dann?“ Naja, was soll ich antworten? „Volksmusik.“ Und der Blick danach sollte jedem erspart bleiben.

Es ist deprimierend! Andere Musikschüler gründen Bands, der süße Sänger, der coole Gitarrist und der verrückte Schlagzeuger – und die sind natürlich „in“.

Aber was sollte ich mit einer Harfe groß anfangen? Mit Volksmusik kann man die Welt nicht erkunden, und den Durchbruch zum Superstar schafft man erst recht nicht.

DAS ist der Punkt warum ich aber froh bin, dass ich in der Volksmusikszene bin. Denn da geht es nicht um Ruhm und Ehre oder Erfolg, es sind eher die sozialen Erfolge die man durch die Musik erlebt.
Man bleibt auf dem Boden, lernt andere Werte kennen als nur Erfolg und Ruhm. Man lernt, nicht immer nur auf die Quantität zu schauen sondern auf die Qualität, und dass man mit den kleinen Dingen zufrieden ist.

Durch Volksmusik lernt man fürs Leben.